Die langen Schatten
und die Nächte sind vorbei,
voll Schemen und versteckten Buhlen.
Im grellen Lichte reißt man sie entzwei
und wirft ihr giftig Mark zum Fraß den Ratten
vor, die sich im Blute suhlen.
Ein kalter Regen,
der die Sonne weggeschwemmt,
beweint des trüben Tages Reste.
Im Sturm der Nix sich gegen Weiden stemmt
und seine schleimig Rückenmuskel gegen
Blätter reibt und morsche Äste.
Vom hohen Berge
steigt herab nun der Prophet,
befiehlt, dass Sturm, dass Regen schweige.
Der Wassermann und seine Brut vergeht.
Ans andere Ufer rudert sie der Ferge.
Still! Der Lockruf ferner Geige…
Mittwoch, 26. Juli 2006
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Donnerstag, 3. Juli 2008
Neptun
Sein breiter Hintern
passte nicht so recht zu jener Flosse,
die er, um stilgerecht zu wirken,
am untern Ende seines Leibes trug,
wenn immer er sich dem gemeinen Volke zeigte,
was, Jupiter sei Dank,
nur äußerst selten war vonnöten.
Wenn aber in den lauen Wassern
der Südseeozeane er sich männlich zeigte,
den Nereiden huldvoll seine Brunst zu schenken,
dann brausten die Taifune, dass die Gischt
bis zu den Wolken spritzte
und ganze Inselvölker in die Berge jagte,
um dem Gezeitenwüten zu entgehen.
Mit amüsierten Mienen spotteten die Götter,
die vom Olymp des Neptuns Rasen miterlebten,
der allzu seichten Unterhaltung,
die von Eroberung nichts hielt,
da alles ja zum Liebesspiel bereit
und selbst der Venus Segen nicht mehr brauchte.
Doch als dann Klage ward erhoben,
ob der Zerstörung schwacher Menschenleiber,
die sich als Nebenwirkung der Exzesse bot,
sprach Jupiter ein Machtwort,
und die Flosse des lust'gen Meeresgottes
sie wuchs und überwuchs hinauf
bis zu dem Nabel Neptuns Götterleib,
der solchermaßen nun zu jenen Freuden,
die er so sehr geschätzt,
in aller Zukunft nicht mehr fähig war.
* * *
Wohl tobt auch heute noch das Meer
mit Stürmen, Beben, Springflut, Überschwemmung,
reißt in den Tod wie einst die leidgeprüfte Menschheit,
doch ist die Hoffnung aus der Welt entschwunden,
dass man durch Opfergaben sich das Schicksal
vielleicht erkaufen könnte.
Dort, wo der Ozean bisweilen aufklart,
kann man, wenn man geduldig ist,
den alten Dreispitzschwinger in der Tiefe sehen,
wie seinen zugewachs'nen Leib,
auf dessen Schuppenpanzer Algen sprossen,
er traurig räkelt.
Ich bitte Euch nicht hinzuschauen,
denn Neptuns Blick zeigt keine Liebe
und verheißt wohl Böses...
22. September 2006
passte nicht so recht zu jener Flosse,
die er, um stilgerecht zu wirken,
am untern Ende seines Leibes trug,
wenn immer er sich dem gemeinen Volke zeigte,
was, Jupiter sei Dank,
nur äußerst selten war vonnöten.
Wenn aber in den lauen Wassern
der Südseeozeane er sich männlich zeigte,
den Nereiden huldvoll seine Brunst zu schenken,
dann brausten die Taifune, dass die Gischt
bis zu den Wolken spritzte
und ganze Inselvölker in die Berge jagte,
um dem Gezeitenwüten zu entgehen.
Mit amüsierten Mienen spotteten die Götter,
die vom Olymp des Neptuns Rasen miterlebten,
der allzu seichten Unterhaltung,
die von Eroberung nichts hielt,
da alles ja zum Liebesspiel bereit
und selbst der Venus Segen nicht mehr brauchte.
Doch als dann Klage ward erhoben,
ob der Zerstörung schwacher Menschenleiber,
die sich als Nebenwirkung der Exzesse bot,
sprach Jupiter ein Machtwort,
und die Flosse des lust'gen Meeresgottes
sie wuchs und überwuchs hinauf
bis zu dem Nabel Neptuns Götterleib,
der solchermaßen nun zu jenen Freuden,
die er so sehr geschätzt,
in aller Zukunft nicht mehr fähig war.
* * *
Wohl tobt auch heute noch das Meer
mit Stürmen, Beben, Springflut, Überschwemmung,
reißt in den Tod wie einst die leidgeprüfte Menschheit,
doch ist die Hoffnung aus der Welt entschwunden,
dass man durch Opfergaben sich das Schicksal
vielleicht erkaufen könnte.
Dort, wo der Ozean bisweilen aufklart,
kann man, wenn man geduldig ist,
den alten Dreispitzschwinger in der Tiefe sehen,
wie seinen zugewachs'nen Leib,
auf dessen Schuppenpanzer Algen sprossen,
er traurig räkelt.
Ich bitte Euch nicht hinzuschauen,
denn Neptuns Blick zeigt keine Liebe
und verheißt wohl Böses...
22. September 2006
Befreiung
Die Feuerflamme schwelte schleimig,
mit rußverschmiertem Maul der Moloch rülpste,
wie im Tam-Tam ihm zu das Opfer ward geschleppt.
Im Seidenblink des Priesters Zauber keimte,
da er den Opferspeer im alten Brunnen weihte,
indes der Steinfallhügel ward betreppt.
Doch da zerknüllte sich der Wolkenhimmel,
barst ein Gewitter, das die Lohe löschte,
zerschlug im Blitzstrahl die gehörnte Maske,
und frei von seiner Fessel glänzte hell der Reine,
dem nun die Huldigung der Massen
zu seinen Füßen sank.
Freitag, 22. September 2006
mit rußverschmiertem Maul der Moloch rülpste,
wie im Tam-Tam ihm zu das Opfer ward geschleppt.
Im Seidenblink des Priesters Zauber keimte,
da er den Opferspeer im alten Brunnen weihte,
indes der Steinfallhügel ward betreppt.
Doch da zerknüllte sich der Wolkenhimmel,
barst ein Gewitter, das die Lohe löschte,
zerschlug im Blitzstrahl die gehörnte Maske,
und frei von seiner Fessel glänzte hell der Reine,
dem nun die Huldigung der Massen
zu seinen Füßen sank.
Freitag, 22. September 2006
Verachtung
Lass deinen Fuß aus der Sandale gleiten
und beuge deinen Nacken vor dem Schwert!
Der kalte Spott, den du in jenen Zeiten
auf meine Werbung höhnisch ausgeleert,
wird nun, da Liebe sich in Hass verkehrt,
vernichtend deinen Untergang bereiten.
Des Büttels Peitschenschlag zerriss die Lippe,
die helle Schöne dunkelt blut’ger Schwall,
dein Haar geschert mit einer krummen Hippe,
so stieß man nackt dich in den Schweinestall.
Bejubelt von der Menge ward dein Fall.
Sie heischte selbst den Tod für deine Sippe.
Noch einmal wollt’ ich deinen Jammer sehen,
doch wie ich näher trat, ward ich getroffen
von einem Blick, in dem ein einzig Flehen,
ein stummer Schmerzensschrei, ein letztes Hoffen
die einst so schönen Lider quälte offen:
Den Tod! Ich wandte lächelnd mich zum Gehen!
Donnerstag, 02. November 2006
und beuge deinen Nacken vor dem Schwert!
Der kalte Spott, den du in jenen Zeiten
auf meine Werbung höhnisch ausgeleert,
wird nun, da Liebe sich in Hass verkehrt,
vernichtend deinen Untergang bereiten.
Des Büttels Peitschenschlag zerriss die Lippe,
die helle Schöne dunkelt blut’ger Schwall,
dein Haar geschert mit einer krummen Hippe,
so stieß man nackt dich in den Schweinestall.
Bejubelt von der Menge ward dein Fall.
Sie heischte selbst den Tod für deine Sippe.
Noch einmal wollt’ ich deinen Jammer sehen,
doch wie ich näher trat, ward ich getroffen
von einem Blick, in dem ein einzig Flehen,
ein stummer Schmerzensschrei, ein letztes Hoffen
die einst so schönen Lider quälte offen:
Den Tod! Ich wandte lächelnd mich zum Gehen!
Donnerstag, 02. November 2006
Durchschreiten
Wäre der Laut noch gegeben
den Schlafenden vor dem Entschlafen,
um zu uns, die sie bewachen,
den Wortsteg zu bauen,
wie klänge dann diese Stimme,
aus Dies– und dem Jenseits
geformt im onirischen Zwischenbereiche?
Vielleicht, dass dann auch
mit zögernd tastendem Fuß
lauschend ein Dichter sich näherte,
der den tanzenden Ton
des erwachenden Todes
füllte ins torkelnde Lied
seiner verkündenden Sprache.
Montag, 06. November 2006
den Schlafenden vor dem Entschlafen,
um zu uns, die sie bewachen,
den Wortsteg zu bauen,
wie klänge dann diese Stimme,
aus Dies– und dem Jenseits
geformt im onirischen Zwischenbereiche?
Vielleicht, dass dann auch
mit zögernd tastendem Fuß
lauschend ein Dichter sich näherte,
der den tanzenden Ton
des erwachenden Todes
füllte ins torkelnde Lied
seiner verkündenden Sprache.
Montag, 06. November 2006
Tektonik
Unten schläft der gelbe Riese.
Sein Schnarchen löst den Steinschlag,
Und Risse tun sich auf in fester Kruste,
Aus denen übelriechend Dämpfe schwefeln.
Mit den Gezeiten schlägt sein Herz,
Doch seit Äonen ist sein Aug geschlossen
Und seine Ohren gräbt er in die Glut,
Aus denen manchmal Träume wirr sich lösen,
Um, wie im Wasser blasig Luft sich hebt,
Den Schlaf des schlanken Jünglings
Und des Säufer Halluzinationen
aufzusuchen und als Zauber sich verdingen.
Montag, 10. Juli 2006
Sein Schnarchen löst den Steinschlag,
Und Risse tun sich auf in fester Kruste,
Aus denen übelriechend Dämpfe schwefeln.
Mit den Gezeiten schlägt sein Herz,
Doch seit Äonen ist sein Aug geschlossen
Und seine Ohren gräbt er in die Glut,
Aus denen manchmal Träume wirr sich lösen,
Um, wie im Wasser blasig Luft sich hebt,
Den Schlaf des schlanken Jünglings
Und des Säufer Halluzinationen
aufzusuchen und als Zauber sich verdingen.
Montag, 10. Juli 2006
Sanfter Schlächter
Wo find ich die Zauberklänge,
dämmerndes Nebelschwingen,
wenn im Froste die Blüten erstarren,
kühler Nächte sanftes Fließen,
Trauern verratener Liebe?
Sanft sei das schmeichelnde Wort ,
das durch samtene Haut
schmerzhaft Herzen betastet,
Seidenstrumpfreime
atmend belispelt!
Zuschlagen müsste man
mit in Kot und Blut
gehärtetem Wortstahl!
Zertrümmern das Süße,
die feengleich verspielte,
nächtliche Träumerin
mit dem Worthammer zerbrechen.
Leg auf den Amboss das Herz,
der Schneidebrenner verseng es,
und schlag deine Zunge ans Kreuz.
Wenn der rauchende Strahlpilz
zerfrisst das geschmolzene Fleisch
bleibt von Knochen nur Staub.
Wenn dann nach Jahren wieder
Flechten und Moose, vielleicht sogar Ratten,
dort wo einst Menschen lebten und liebten
wieder sich wagen,
wird wohl kein Dichter sich finden,
der auf verkarsteter Steppe,
wo kein Vogel mehr singt
die erblindeten Augen hebt,
weil kein Sang das Vergessen zerbricht.
Wer aber schwingt die Axt
und verbrennt auf dem Jahrmarkt
der feilen Krematorien
die liebestrunknen Frühlingsleiber,
um mit des Kitsches Asche
der Dichter Bohnensuppe
neu zu würzen?
Ach, überspitzt sind und schwer
die Ekstasen metrischer Phrasen,
die sich im Bildschirm versöhnen.
Lausche des Zaungasts spießriges Stöhnen,
wenn sein Gelee er ins Kleenex verspritzt.
Freitag, 28. Juli 2006
dämmerndes Nebelschwingen,
wenn im Froste die Blüten erstarren,
kühler Nächte sanftes Fließen,
Trauern verratener Liebe?
Sanft sei das schmeichelnde Wort ,
das durch samtene Haut
schmerzhaft Herzen betastet,
Seidenstrumpfreime
atmend belispelt!
Zuschlagen müsste man
mit in Kot und Blut
gehärtetem Wortstahl!
Zertrümmern das Süße,
die feengleich verspielte,
nächtliche Träumerin
mit dem Worthammer zerbrechen.
Leg auf den Amboss das Herz,
der Schneidebrenner verseng es,
und schlag deine Zunge ans Kreuz.
Wenn der rauchende Strahlpilz
zerfrisst das geschmolzene Fleisch
bleibt von Knochen nur Staub.
Wenn dann nach Jahren wieder
Flechten und Moose, vielleicht sogar Ratten,
dort wo einst Menschen lebten und liebten
wieder sich wagen,
wird wohl kein Dichter sich finden,
der auf verkarsteter Steppe,
wo kein Vogel mehr singt
die erblindeten Augen hebt,
weil kein Sang das Vergessen zerbricht.
Wer aber schwingt die Axt
und verbrennt auf dem Jahrmarkt
der feilen Krematorien
die liebestrunknen Frühlingsleiber,
um mit des Kitsches Asche
der Dichter Bohnensuppe
neu zu würzen?
Ach, überspitzt sind und schwer
die Ekstasen metrischer Phrasen,
die sich im Bildschirm versöhnen.
Lausche des Zaungasts spießriges Stöhnen,
wenn sein Gelee er ins Kleenex verspritzt.
Freitag, 28. Juli 2006
Der Flötenspieler
Lautlos auf stygischen Feldern
erntet das Schilfrohr der Tod.
Formt die gefügigen Halme,
dass sie als Flöte ihm dienen,
wenn er mit Weisen voll Wehmut
über sein schreckliches Nahen
täuscht ihm verfallende Opfer.
Wer aber weiß das Geheimnis
trinkender nächtlicher Halme,
denen ein Wind sanft ein Rascheln
abnimmt und mit sich entführt
in der versunkenen Städte
endlose Straßen und Türme,
Trost für den trauernden Tod.
Donnerstag, 08. Februar 2007
erntet das Schilfrohr der Tod.
Formt die gefügigen Halme,
dass sie als Flöte ihm dienen,
wenn er mit Weisen voll Wehmut
über sein schreckliches Nahen
täuscht ihm verfallende Opfer.
Wer aber weiß das Geheimnis
trinkender nächtlicher Halme,
denen ein Wind sanft ein Rascheln
abnimmt und mit sich entführt
in der versunkenen Städte
endlose Straßen und Türme,
Trost für den trauernden Tod.
Donnerstag, 08. Februar 2007
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