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Donnerstag, 24. September 2009

Ableger

       
Man stellt dich ab wie einen alten Regenschirm,
wie Überschuhe, die vielleicht noch brauchbar sind.
Doch wie es meist mit abgestelltem Gut passiert,
so auch mit dir: Du wirst vergessen!


Das merkst du erst noch gar nicht in der Tage Trab,
an die du dich wie alle Welt so sehr gewöhntest,
um erst, geniert fast, lange nicht daran zu glauben,
dass deiner Nächsten Liebe wär’ so schmal bemessen.


Du bleibst wie abgestellt allein und ungestört.
Ach so, der lebt noch! meinen deine alten Freunde.
Kein Hund mehr kümmert sich um deine Einsamkeit.
Wozu denn auch? Man gönnt dir deine Ruhe.

Donnerstag, 3. Juli 2008

Wenn die dunklen Sträucher am Wegrand

Wenn die dunklen Sträucher am Wegrand
den Himmel schlürfen und ihre Wallungen
dampfen den Abendnebel,
dann sei auf der Hut!

Baldrian ruft das Nachtgetier,
das noch mit geschlossenen Augen
hinter den trügenden Blättern verharrt,
bis die gespaltene Zunge im Lockruf vibriert.

Dann versinkt der zögernde Fuß auf dem moorigen Steig,
deiner Hand entgleitet der Stock,
der Atem vergisst sich und fügt deine Stimme
ganz leise dem Summen der nächtlichen Lieder ein,

aus denen kein Morgen mehr
dich zur Heimkehr weckt.


Freitag, 22. September 2006

Woher sie kommen, haben sie vergessen

Sie haben es geahnt, doch nie gewusst,
Ob es ein unbedachter Flossenschlag,
ein kosmisch Grollen in der dunklen Tiefe,
vielleicht auch eines Gottes liebend Hauch,

dem Nichts entsteigend, sie zu sich gebar.
Nur jener Auftrag ward in ihnen rege
„zum Lichte hin, zum Ufer musst du wandern
als Bote eines unbekannten Großen…“

Sie sind in sich und ruhen in Bewegung
und steigen, sinken in sich selbst verschlungen,
zum Ziele hin gerichtet, zu dem Ufer,
von dem die Botschaft, die Verheißung sprach.

In ihrer Fülle bergen sie das Leben,
den Tod, durch den das Leben wiederkehrt
und neu gestaltet, was verschwunden schien,
im Ritornell der tränenlosen Kraft.

Wenn eines Tages dann sich hebt ein Felsen,
ein Festland ihnen sich entgegenstemmt,
dann geht es wie ein Aufschrei durch ihr Sein
und ihre liebevolle Bindung reißt,

dass sie sich bäumen in gehetzter Jagd,
sich selber geißelnd, andre überschulternd,
zerbrechend, wenn sie der Umarmung fliehen
und sich in tödlich weißer Gischt verstrahlen.

Ob jemals einer einem Ufer zuträgt,
was als geheime Botschaft in ihm war,
im unbekannten Ursprung aufgetragen?
Die Ufer schweigen. Stöhnend klagt das Meer.


Mittwoch, 27. September 2006

Wellen

Sie kommen von ferne,
weit aus den Tiefen des Ozeans,
um,
wie sie dem Ufer sich nähern,
zu Gischt zu zerbrechen
und hell aufzuleuchten,
einmal.

Aber dann werden sie verschluckt
von jenen, die ihnen folgen,
ohne jemals
das Ufer
zu erreichen.


Samstag, 23. September 2006

Weihnachtsskizze

Wenn du aufschaust,
einen Augenblick nur unterbrichst deine Hast,
kannst du vielleicht
das Christkind sehen
oder den Weihnachtsmann,
die sich ganz schnell hinter der Türe verstecken.

Dann findest du einmal ein langes seidenes Haar,
das du auf den Weihnachtsbaum hängst,
oder auch eine struppige Borste,
die dem weißen Bart des Weihnachtsmannes
entfiel.

Selbst aber wenn du zu langsam bist
bei diesem Spiel
und nur noch den Geruch
von Zimt oder Anis
an deiner Nase vorbeiziehen spürst,
kannst du ans Fenster treten
und in die Nacht hinausblicken,
die für dich einen Lichterbaum aufgestellt hat,
ganz ohne dein Zutun.

Streck deine Hand hinaus,
aber sei vorsichtig, denn kalt weht der Wind herein.
Vielleicht fällt dir eine kleine Flocke auf den Handrücken,
dass du zurückzuckst,
sie an deine Lippen führst und sie spürst
wie den zarten Kuss der Mutter
in deiner Kindheit.


Freitag, 22. Dezember 2006

Wüstentor

Narren!
Hirne, ausgebrannt von der Rückschau,
gibt eigener Tod Euch nicht genug?
Noch wirft den Schatten
die sinkende Sonne:
wartet, er wächst
zur alles verschlingenden Nacht.

Wenn sie die Mauern sprengen,
hält ihre Wut
selbst vor der Klage nicht an,
denn der Wind wirbelt das Sandkorn
auch durch geschlossene Tore
und vom gewaltigen Tempel
bleibt nur Erinnerung und Staub.


20. Februar 2007

Heimsuchung

Es stieg
aus dem Herd der Hirten
ein Sternschrei, blutrot und böse.

Die Herden kalbten.

Nein! sagte der trunkene Dichter,
doch das qualmende Opferfeuer
versengt seinen Bart,
verhöhnt seine Reime,
zerstört und erstickt
sein Gewinsel.


20. Februar 2007

Schönheit und Verfall

Wenn auch das Schöne
nicht bleibt,
abfällt, verdorrt
wie die Früchte
des wilden Feigenbaumes,
der seine Süße
dem sanften Wehen des Windes
zaghaft verschenkt,

so findet spät,
wenn das Alter schon
seine Gerbfinger
auf die Haut legte,
Ebenmaß noch
das liebende Auge,
und zur Liebkosung
hebt sich die Hand.


Freitag, 16. Februar 2007

Hingabe (Überarbeitung von "Verzückung")

Wie kann ich meine keusche Unschuld wahren,
verbannen Ungewissheit, Ungeduld,
die oft mich lähmt in meinen Blütenjahren
durch das Erahnen einer fremden Schuld?

Den Fluch des Blutes fühl ich in mir hämmern,
da meine Lippen jene Süße spüren,
die wie mit Schweigefingern mich ins Dämmern
verlockt, um mit Verlangen mich zu rühren.

Ich will das Sein des Unbekannten nennen,
das Flüsterworte oft mir zugeraunt;
kann ich, ob es der Böse ist, erkennen,
wenn mein Gebet verstummt und ich erstaunt

dem Zauber alter Worte mich gebeugt,
dem Einen, Angeflehten zu gehören,
der mich und alles Leben einst gezeugt?
Mich fasst ein Taumel, sucht mich zu betören.

Doch nein! Ich will mit Freiheit mich begatten,
um der Entsagung Schmerzen anzustreben,
Ihm nahe sein und niemals mehr ermatten
im Licht die Augen zu Ihm zu erheben.

Wie grün und blau die Blätter um mich blühen,
Musik erklingt, ich spür, wie ich erbebe.
Ein Rausch von Schönheit lässt mein Herz erglühen:
Ich komme! Sieh, wie ich mich hebe!

Mittwoch, 28. Februar 2007

Verzückung

Wie kann ich meine Unschuld wahren,
die Ungeduld bezähmen
und verbannen Ungewissheit?

Der Fluch des Blut hämmert hinter meinen Augen,
da meine Lippen jene Süße spüren,
die wie mit Schweigefingern jeder Windhauch
auf sie legt, verlockend,
dass sie sich verlangend öffnen.

Ich sehne mich so nach dem Unbekannten,
nach jenem, das man mir so oft
mit Flüsterworten zugeraunt -
ob es der Böse war, der mich versuchte?
– wenn ich die alten Worte formte im Gebete,
dass mich der rote Sog ergriff und taumelnd
ich dem Einen, Allgewaltigen gehören wollte,
der mich und meinesgleichen einst geschaffen.

Doch nicht als Sklavin oder Dienerin,
frei will ich die Entsagung leben.
Nicht aus dem Schatten
nein, im Licht will ich die Augen heben,
wo es wie Moschus mich umweht,
die grünen und die blauen Blätter
rings in dem sich öffnenden Erblühen
erklingen, die mein Herz für ihn erdacht,
und ich mich hebe…


28. Februar 2007

Südwind

Welch Schmachten hat der sanfte Südwind mitgebracht,
als hätte unser Mai in dieser Nacht begonnen.
Er säuselt süßlich, doch er spottet und er lacht,
weil unsre große Liebe ist zu Nichts zerronnen.

Wenn uns vertrocknet sind die Seufzer auf den Wangen,
lass uns die Augen schließen, dass der Träume Hand
vielleicht noch einmal kann nach unsren Sternen langen
in jenem fernen Himmel, den wir einst gekannt.

Dann können unsre Wünsche auf die Reise gehen.
Das große Sehnen bleibt wie immer ungestillt.
Der Südwind bläst und wird auch unser Glück verwehen.
Wir rufen Halt! Er bläst und keine Träne quillt.

Mittwoch, 28. März 2007
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