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Donnerstag, 3. Juli 2008

Hirnzehen

Zehen tasten am feuchten Boden nach Griff,
Zunge nach Zahnbelag in dem Verlangen
nach Rauch, der zum Husten zerreißt,
damit der Magen die Stöße des Hungers leichter erträgt.

Den Zehen bleibt die Last des Begreifens,
des Tastens auf nassem, glitschigen Boden.
Doch sie sind eingewachsen, die Nägel der Zehen,
und so schmerzt jeder Schritt.

Auch die Gedanken sind eingewachsen
über den Ohren in die Schädeldecke,
auf der die Stadt liegt,
die auf der Stadt liegt,
durch die die Stadt zieht,
aber kein Himmel!

Kein Himmel
über der Schale aus Knochen.
In Fleisch gehüllt, vom Blutstrom umpulst,
hockt Empfindung schleimig hinter brennendem Atem.

Die Sandalen werd’ ich zum Schlachthof bringen
oder zum Schuster
oder zu einem, der den Hammer schwingt
und zu Brei oder Bröseln zermalmt
die Nägel, die Zehen oder auch die Hirnschale,
vielleicht auch den Himmel.
Wo ist denn schon der Unterschied?


Freitag, 07. Juli 2006

Drauflos gestottert!

Hast du die Übergänge ausgelotet
Durch die Gedankenabschaum nächtens schleicht
Um sich dort hinzulagern
wo du ohne Wehr
Dich dem Verderben ausgeliefert siehst
Und dem Verrate deines alten Glaubens?
Wirf hin dich zu den Füßen deiner Träume,
Die du noch gestern hast gelebt,
Als wäre wie der Schnee
Der uns das Werdende verhüllt,
Von jenen Hügeln abgeschmolzen.
Blieb also eine Reue oder ein Gram
Oder die Senke des Verderbens, nie entleert.


Die Kreise runden meine Sicht,
In der die Dinge sich begrenzen,
Ob ich am Ende schau das Licht
Oder verkümmre im Faulenzen,
Das wird wohl eine Lockre sagen,
Von der ich nur den Namen kenne,
Wenn jene mich zu zeigen wagen,
Die ich zuerst mit ähhh bekenne…


Du schreibst die Worte
Wartest, dass sich Sinn dazu geselle
Den Dünnschiss deiner Poesie verdickend
Rühr ich mein Süppchen an

Und wie einst Adam stieg in seine Badehose
Da dacht er schon an die bewusste Chose


Mittwoch, 26. Juli 2006

Café und Hundstage

Fliege summt.
Biertropfen trocknet.
Zucker in bunter Papierverpackung.
Wenn unterm Keller die Metro grollt,
vibrieren Hocker und Theke,
zittert in der winzigen Schale der Löffel.
Klimaanlage surrt.

Im kleinen Café brennen die Lichter den ganzen Tag,
doch wenn du eintrittst
aus dem glühenden Sonnentag,
bist du für Augenblicke
blind.


Sonntag, 30. Juli 2006

Archaische Szene

Die langen Schatten
und die Nächte sind vorbei,
voll Schemen und versteckten Buhlen.
Im grellen Lichte reißt man sie entzwei
und wirft ihr giftig Mark zum Fraß den Ratten
vor, die sich im Blute suhlen.

Ein kalter Regen,
der die Sonne weggeschwemmt,
beweint des trüben Tages Reste.
Im Sturm der Nix sich gegen Weiden stemmt
und seine schleimig Rückenmuskel gegen
Blätter reibt und morsche Äste.

Vom hohen Berge
steigt herab nun der Prophet,
befiehlt, dass Sturm, dass Regen schweige.
Der Wassermann und seine Brut vergeht.
Ans andere Ufer rudert sie der Ferge.
Still! Der Lockruf ferner Geige…


Mittwoch, 26. Juli 2006

Die Gier der frühen Tage ist erloschen

Die Gier der frühen Tage ist erloschen,
die Lust der Reifezeit vorbei.
Ich denke Herbst und fürchte Winter,
und doch gibt mich mein Blut nicht frei.

Was meine Blicke lüstern tasten,
bleibt im Gehirn, der Weg ist weit.
Noch sind in mir die Sinne wach,
doch zu der Sinnlichkeit
steift sich nicht mehr das Glied,
bleibt leer der Becher der Begehrlichkeit.

Was Frühling war und Sommer,
ist wehmütig Erinnern,
für wie lange noch?
Dann ist auch das vorbei.
Horch wie es pocht und stampft
mein Herz des Nachts…
Der Rest ist Einerlei.


Freitag, 28. Juli 2006

Testschöpfung

Weiden für sanfte Geschöpfe mit silbernen Mähnen,
denen die blutige Jagd in den Adern vertrocknet,
da die blühende Pracht der sich bietenden Früchte
fröhlicher lockte zum köstlichen Mahle.

Lächelnd besah der Welten Gestalter,
wie die Geschöpfe so harmlos geworden,
dass selbst ein Vogel es wagte,
Läuse zu suchen im Pelze des Tigers,
der durch sein Schnurren Zufriedenheit zeigte.

Schrill ins Idyll des so friedlichen Gartens,
doch für den Gott wie der Donner so laut,
klagte die Laus ihr vergessenes Los...

Sie ward erhört und der Tod kam zurück.


22. September 2006

Neptun

Sein breiter Hintern
passte nicht so recht zu jener Flosse,
die er, um stilgerecht zu wirken,
am untern Ende seines Leibes trug,
wenn immer er sich dem gemeinen Volke zeigte,
was, Jupiter sei Dank,
nur äußerst selten war vonnöten.

Wenn aber in den lauen Wassern
der Südseeozeane er sich männlich zeigte,
den Nereiden huldvoll seine Brunst zu schenken,
dann brausten die Taifune, dass die Gischt
bis zu den Wolken spritzte
und ganze Inselvölker in die Berge jagte,
um dem Gezeitenwüten zu entgehen.

Mit amüsierten Mienen spotteten die Götter,
die vom Olymp des Neptuns Rasen miterlebten,
der allzu seichten Unterhaltung,
die von Eroberung nichts hielt,
da alles ja zum Liebesspiel bereit
und selbst der Venus Segen nicht mehr brauchte.

Doch als dann Klage ward erhoben,
ob der Zerstörung schwacher Menschenleiber,
die sich als Nebenwirkung der Exzesse bot,
sprach Jupiter ein Machtwort,
und die Flosse des lust'gen Meeresgottes
sie wuchs und überwuchs hinauf
bis zu dem Nabel Neptuns Götterleib,
der solchermaßen nun zu jenen Freuden,
die er so sehr geschätzt,
in aller Zukunft nicht mehr fähig war.


* * *

Wohl tobt auch heute noch das Meer
mit Stürmen, Beben, Springflut, Überschwemmung,
reißt in den Tod wie einst die leidgeprüfte Menschheit,
doch ist die Hoffnung aus der Welt entschwunden,
dass man durch Opfergaben sich das Schicksal
vielleicht erkaufen könnte.

Dort, wo der Ozean bisweilen aufklart,
kann man, wenn man geduldig ist,
den alten Dreispitzschwinger in der Tiefe sehen,
wie seinen zugewachs'nen Leib,
auf dessen Schuppenpanzer Algen sprossen,
er traurig räkelt.


Ich bitte Euch nicht hinzuschauen,
denn Neptuns Blick zeigt keine Liebe
und verheißt wohl Böses...


22. September 2006

Befreiung

Die Feuerflamme schwelte schleimig,
mit rußverschmiertem Maul der Moloch rülpste,
wie im Tam-Tam ihm zu das Opfer ward geschleppt.

Im Seidenblink des Priesters Zauber keimte,
da er den Opferspeer im alten Brunnen weihte,
indes der Steinfallhügel ward betreppt.

Doch da zerknüllte sich der Wolkenhimmel,
barst ein Gewitter, das die Lohe löschte,
zerschlug im Blitzstrahl die gehörnte Maske,

und frei von seiner Fessel glänzte hell der Reine,
dem nun die Huldigung der Massen
zu seinen Füßen sank.


Freitag, 22. September 2006

Verachtung

Lass deinen Fuß aus der Sandale gleiten
und beuge deinen Nacken vor dem Schwert!
Der kalte Spott, den du in jenen Zeiten
auf meine Werbung höhnisch ausgeleert,
wird nun, da Liebe sich in Hass verkehrt,
vernichtend deinen Untergang bereiten.

Des Büttels Peitschenschlag zerriss die Lippe,
die helle Schöne dunkelt blut’ger Schwall,
dein Haar geschert mit einer krummen Hippe,
so stieß man nackt dich in den Schweinestall.
Bejubelt von der Menge ward dein Fall.
Sie heischte selbst den Tod für deine Sippe.

Noch einmal wollt’ ich deinen Jammer sehen,
doch wie ich näher trat, ward ich getroffen
von einem Blick, in dem ein einzig Flehen,
ein stummer Schmerzensschrei, ein letztes Hoffen
die einst so schönen Lider quälte offen:
Den Tod! Ich wandte lächelnd mich zum Gehen!


Donnerstag, 02. November 2006

Moritat

Heiser am Kai unter Brücken
weitet der Schrei sich
ins giftige Spritzen der zahnkrummen Brecher.
Doch am Abend ertragen die Balken,
sich schämenden Müttern gleich,
die brütende Dunkellast weinwund gedunsener Leiber,
bedeckt von des Tages Gekeife
im ungelesenen Druck,
der zerläuft im Kondenstrauf
verlorener Flüche.

Wer sich naht
kennt wohl nicht die Verdammung,
die durch dumpfschiele Hirne
mit dem Harndrift
bei gelöschten Laternen sickert
und den Stolperstein stösst
an des Eindringlings Wade,
der erstaunt erst sich anschickt
vom Sturz sich zu heben,
als die Klinge schon dringt in sein Blut.


Donnerstag, 09. November 2006

Gehorsamst gedichtet

Für Hunde und für Babys ist der Mond nur ein Lampion, nach dem man greift, den man beheult. Dann, später, aber nicht viel weiter, setzt man bequem sich hin, um Ewigkeit zu schaffen auf dem Papier.

Herz/Schmerz, Brust/Lust und blutrot/tot auch muss dem Genie jetzt dienen, um im gereimten Tone zu ergehen sich in Platitüden. Geist ist wohl nicht darin, doch vor dem eignen Werke quillt des Schöpfers Träne der Bewunderung, und jene, deren Aufguss gestern er gelobt, sind nun beflissen, diesen Dienst geschäftig zu erwidern.

O holde Kunst, kuhäugig Sanfte, verzeih den hausbacknen Jüngern wie auch Jüngerinnen, die, da sie Schreiben lernten, nun auch Dichten wollen. Ich will für dich sie trösten.



Sonntag, 30. Juli 2006

Absurde Betrachtungen: Neger sein, Traum der Weißen?

Darf man es sagen, darf man es nennen?
Neger sein…! Welch ein Bekennen!

Da stock' ich schon
wer hilft mir fort
Man darf Tabus nicht unterschätzen,
Ich muss es anders übersetzen (frei nach Goethe)
Frau Wirtin sagt: Se san mia ana,
De Schwoazn, dös san Afrikaner…

Diese Afrikaner, meist Vollbürger des Okzidents, dringen nicht mit Feuer und Schwert, sondern mit rhythmischen Hüftschwingungen, zwerchfellmarternden Klangattacken, über Sportstadien und Music Halls und deren Derivate wie Walkmaennchen und Kompaktplatitüden in den unverteidigten Freiraum der nicht Ursprungsafrikaner ein und bescheren diese mit den bunten Früchten ihrer Altheimat.

Dass diese mittlerweile zwar an Bewohnern eine explosionsartige Entwicklung genommen, an Lebensqualität und selbst an Überlebenschancen jedoch ständig verliert, muss doch jene wenigen nicht genieren, die ihre Fußballer– und Sprinterbeine, ihre Basketballtricks, ihre Schreigurgeln und Showbizzzuckungen zu Millionärsruhm brachten und zu Idolen erhöhten.

Denn man sieht nur,
die im Lichte,
die im Dunkeln
sieht man nicht (meinte Macky)
Alles in Ordnung, kein Neid, denn wer immer reich wird, hat es verdient,
sagte doch jemand (Ringelnatz?)
„Reich willst du werden?
Warum bist du’s nicht“


Aber wie kommt es, dass die armen und anderen Weißen sich nun sputen, afrikanisch zu werden?

Hat man glattes Haar, so kräuselt man es, bekämpft die Hautbleiche mit Sonne und Bräunungscreme, bemalt und tätowiert sich rundum, und selbst jene Zonen, zu denen früher nur der Gatte nächtlich Zutrittsrecht besaß, schmückt man mit Ringen nun und was auch immer die ge-pierce-ten Glieder zur Verschönerung brauchen.

Dann trägt man diesen Schmuck, versteht sich, nicht den ganz intimen, aber auch freier Nabel, die durchbohrte Nase, Zunge , Lippe sind nicht ohne, zu Virgin Megastore (gibt’s das in Österreich? Wo kommt denn bloß die Virgin her? Ah, ich vergaß, der Vorhang, jener der sich eisern nannte, ist nicht mehr, doch sollte das es möglich machen? Man denkt ans Gegenteil doch eher!), ins Popko(nein, nicht Korn)nzert oder entzückt sich anderswo, getragen vom pulsierenden Tam-Tam des schwarzen New Orleans oder was soll’s! So voll das Leben, die Ekstase, die Frenesie und kaum ein Wissen, nichts zu sein, als seltsam Brennen trockener Augenlider oder sonstwo…

Singt irgendwo ein trauriger Poet die alten Verse vom Vergehen der
Schönheit und vergessner Liebe? Dunkelhäutige Nacht, Afrikanacht!



Freitag, 01. September 2006

Schwächling

Es war bei Nacht, mich quälte der Gedanke,
ob ich getan, was man von mir verlangt,
was ich gefürchtet und wovor gebangt.
Da senkte sich auf mich die dunkle Schranke.

Die Gutes von mir wollten ohne Danke,
mit Peitschenhieben wurden sie bedankt.
An meinem Hasse war ich so erkrankt,
dass er mich niederschlug mit blinder Pranke.

Vor Schmerzen brüllend stürmt ich durch die Gassen.
Mit schwarzen Masken schreckten mich die Massen.
Ich schrie und schlug die Hände vors Gesicht.

Ich eilt zurück ins wohlvertraute Haus.
Die Decke übern Kopf schlief ich mich aus.
Der Morgen kam. Der Traum zerschmolz im Licht.


Mittwoch, 26. Juli 2006

Alte beim Heurigen

Wie einst im Mai!
So schön konnte es sein,
als wir noch glaubten,
dass die Welt auf uns wartete,
direkt vor der Türe,
und sie trug ein buntes Kleid
aus Hoffnung und Versprechen,
aus den noch nicht verlorenen Träumen
und dem Frohsinn übermütig zusammengebastelt.

Wir waren so jung,
wie es das heute nicht mehr gibt,
weil man keine Zeit mehr lässt
den Träumern, die nicht sofort
alles haben wollen,
alles an sich reißen,
alles aufbrauchen, was an Schönen und Tiefen
die Welt, die Liebe, das Leben
uns langsam nur zu bieten
bereit ist.

Dann sitzen wir heute
draußen, irgendwo in einem Garten
vor dem einen Glas, das uns noch gestattet,
und wenn der Musiker kommt,
die Geige und auch die Harmonika,
erinnern wir uns, wie wir sie einst belächelten,
die Alten, und wissen, das sind wir jetzt,
und wir lassen die alten banalen Lieder
durch uns sinken und wir summen mit….


Mittwoch, 09. August 2006

Wenn die dunklen Sträucher am Wegrand

Wenn die dunklen Sträucher am Wegrand
den Himmel schlürfen und ihre Wallungen
dampfen den Abendnebel,
dann sei auf der Hut!

Baldrian ruft das Nachtgetier,
das noch mit geschlossenen Augen
hinter den trügenden Blättern verharrt,
bis die gespaltene Zunge im Lockruf vibriert.

Dann versinkt der zögernde Fuß auf dem moorigen Steig,
deiner Hand entgleitet der Stock,
der Atem vergisst sich und fügt deine Stimme
ganz leise dem Summen der nächtlichen Lieder ein,

aus denen kein Morgen mehr
dich zur Heimkehr weckt.


Freitag, 22. September 2006

Woher sie kommen, haben sie vergessen

Sie haben es geahnt, doch nie gewusst,
Ob es ein unbedachter Flossenschlag,
ein kosmisch Grollen in der dunklen Tiefe,
vielleicht auch eines Gottes liebend Hauch,

dem Nichts entsteigend, sie zu sich gebar.
Nur jener Auftrag ward in ihnen rege
„zum Lichte hin, zum Ufer musst du wandern
als Bote eines unbekannten Großen…“

Sie sind in sich und ruhen in Bewegung
und steigen, sinken in sich selbst verschlungen,
zum Ziele hin gerichtet, zu dem Ufer,
von dem die Botschaft, die Verheißung sprach.

In ihrer Fülle bergen sie das Leben,
den Tod, durch den das Leben wiederkehrt
und neu gestaltet, was verschwunden schien,
im Ritornell der tränenlosen Kraft.

Wenn eines Tages dann sich hebt ein Felsen,
ein Festland ihnen sich entgegenstemmt,
dann geht es wie ein Aufschrei durch ihr Sein
und ihre liebevolle Bindung reißt,

dass sie sich bäumen in gehetzter Jagd,
sich selber geißelnd, andre überschulternd,
zerbrechend, wenn sie der Umarmung fliehen
und sich in tödlich weißer Gischt verstrahlen.

Ob jemals einer einem Ufer zuträgt,
was als geheime Botschaft in ihm war,
im unbekannten Ursprung aufgetragen?
Die Ufer schweigen. Stöhnend klagt das Meer.


Mittwoch, 27. September 2006

Wellen

Sie kommen von ferne,
weit aus den Tiefen des Ozeans,
um,
wie sie dem Ufer sich nähern,
zu Gischt zu zerbrechen
und hell aufzuleuchten,
einmal.

Aber dann werden sie verschluckt
von jenen, die ihnen folgen,
ohne jemals
das Ufer
zu erreichen.


Samstag, 23. September 2006

Durchschreiten

Wäre der Laut noch gegeben
den Schlafenden vor dem Entschlafen,
um zu uns, die sie bewachen,
den Wortsteg zu bauen,
wie klänge dann diese Stimme,
aus Dies– und dem Jenseits
geformt im onirischen Zwischenbereiche?

Vielleicht, dass dann auch
mit zögernd tastendem Fuß
lauschend ein Dichter sich näherte,
der den tanzenden Ton
des erwachenden Todes
füllte ins torkelnde Lied
seiner verkündenden Sprache.


Montag, 06. November 2006

Herzstation

Wer hat das wilde Pferd
in meinen Leib gesetzt,
dass es nun tanzt
und mich zu Tode hetzt?

Ich schlage mich mit den Dämonen,
die meine Adern jetzt bewohnen,
mit Meißeln meine Stirn zerpochen.
So lass den Schlaf mich jetzt beschwören,
den mir der Schmerz gebrochen.

Rot brandet, rauscht im Ohr das Blut.
Ich will vergessen Sinn und Zeit,
bis dann die fremde Stimme sagt:
Es ist so weit!


Montag, 31. Juli 2006

Auch ein Sterbender im Feld

Ob es wohl ein altes Lied war,
das er,
unhörbar für die anderen,
sang mit kaum bewegter Lippe,
sang durch den keuchenden Atem,
den blutigen Husten,
indes die scharrenden Nägel
kratzender Finger
sich in der schwarzen Erde krümmten.

In den trockenen Spalt
der lastenden Lider
drang rot
der stürzende Horizont.

Liebe Fensterlein?
lispelten seine Lippen,
wie wahr!
Doch dunkel stieg herab
von den fernen Hügeln
bereits der hungrige
Schnitter.


Freitag, 01. September 2006

Drehkreuz

Der Zug, er nähert sich dem Ziele.
Im Wasserkessel fröstelt Wasser.
Der Fahrgast denkt schon an Kaffee.

Der Wasserkessel wärmt das Wasser.
Der Fahrgast hat bereits bestellt.
Der Zug hat fast sein Ziel erreicht.

Der Fahrgast wartet noch geduldig.
Der Zug erreicht, durchquert sein Ziel.
Im Wasserkessel dampft das Wasser.

Der Zug fährt aus dem Ziel ins Ungewisse.
Vom Kessel durch den Filter zischt das Wasser.
Der Fahrgast schließt die Augen beim Kaffeegenuss.

Der Wasserkessel ist vertrocknet.
Der Zug erstickt im schienenlosen Nichts.
Vom Fahrgast gibt es keine Spuren.


Sonntag, 29. Oktober 2006

Tektonik

Unten schläft der gelbe Riese.
Sein Schnarchen löst den Steinschlag,
Und Risse tun sich auf in fester Kruste,
Aus denen übelriechend Dämpfe schwefeln.

Mit den Gezeiten schlägt sein Herz,
Doch seit Äonen ist sein Aug geschlossen
Und seine Ohren gräbt er in die Glut,
Aus denen manchmal Träume wirr sich lösen,

Um, wie im Wasser blasig Luft sich hebt,
Den Schlaf des schlanken Jünglings
Und des Säufer Halluzinationen
aufzusuchen und als Zauber sich verdingen.


Montag, 10. Juli 2006

Welschgekauder oder die Rückschöpfung

Wieviel Träume hält mein schwarzer Strumpf,
der Strumpf von meiner Großmama?

Wie schnell er läuft,
läuft auch die Masche
und wohin?

Wenn ich bedenke,
wo sie enden sollte,
tritt Schweiß auf meine Stirn,
und zart beginnt im Unterleib
ein Zirpen!

Wie schnell ist mein Gehirn!
Bist ein Kenyate du,
der Breitgedanken einer,
oder läufst durch die Tiefen
die Zusatzmeile?

Wie schreit die Nacht,
wie dunkel ist der Schmerz
der grünen obdachlosen Ratten,
die durch das Sumpfgemüse waten und trippeln,
dass es sich lohnen könnte,
einmal durch ihre Brunst zu schneiden?

Dann aber kam der eine, den keiner noch gesehen,
wenn auch erwartet durch die Zeiten,
und schlug sich auf die Brust:
So soll es sein,
stand doch geschrieben auf den alten Rollen,
die in den Wüstenspielen
unter edlen Hufen sich verbogen!

So soll es sein!
Aber sie wollten andere Worte,
sie wollten andere Zeichen,
das andre Leben wollten sie,
alles und gleich und jetzt
für alle, doch ein jeder
nur für sich und was ihn reizte.

Das konnte er nicht geben,
wohl war ihm Macht
und keine Stunde fehlte
doch drehte er sich um,
und jener andere hob das Schwert,
er hob es und,
ein weißer Blitz stach in das Sein von allen,
die es einmal waren,
dass nun ihr Schrei, ihr Mut zerbrach,
erstickt' ihr Tanz im Schweigen.

Im Licht zerflossen alte Schatten
hin zu des heilgen Flusses Ufer,
bis an die Knöchel dessen,
der nun die Trauer legte in sein Schreiten.

Doch wie er ging, schwand auch
das Wasser, alles Feste und das Licht,
und nichts, das blieb,
und nichts, das ward.


Dienstag, 11. Juli 2006

Sanfter Schlächter

Wo find ich die Zauberklänge,
dämmerndes Nebelschwingen,
wenn im Froste die Blüten erstarren,
kühler Nächte sanftes Fließen,
Trauern verratener Liebe?

Sanft sei das schmeichelnde Wort ,
das durch samtene Haut
schmerzhaft Herzen betastet,
Seidenstrumpfreime
atmend belispelt!


Zuschlagen müsste man
mit in Kot und Blut
gehärtetem Wortstahl!
Zertrümmern das Süße,
die feengleich verspielte,
nächtliche Träumerin
mit dem Worthammer zerbrechen.

Leg auf den Amboss das Herz,
der Schneidebrenner verseng es,
und schlag deine Zunge ans Kreuz.
Wenn der rauchende Strahlpilz
zerfrisst das geschmolzene Fleisch
bleibt von Knochen nur Staub.

Wenn dann nach Jahren wieder
Flechten und Moose, vielleicht sogar Ratten,
dort wo einst Menschen lebten und liebten
wieder sich wagen,
wird wohl kein Dichter sich finden,
der auf verkarsteter Steppe,
wo kein Vogel mehr singt
die erblindeten Augen hebt,
weil kein Sang das Vergessen zerbricht.

Wer aber schwingt die Axt
und verbrennt auf dem Jahrmarkt
der feilen Krematorien
die liebestrunknen Frühlingsleiber,
um mit des Kitsches Asche
der Dichter Bohnensuppe
neu zu würzen?


Ach, überspitzt sind und schwer
die Ekstasen metrischer Phrasen,
die sich im Bildschirm versöhnen.
Lausche des Zaungasts spießriges Stöhnen,
wenn sein Gelee er ins Kleenex verspritzt.



Freitag, 28. Juli 2006

auch ein Willkommen!

Manch Quasi Dichter leidet unter Magenwinden,
die er, weil gut erzogen, meist im Zaume hält,
doch kann man so Verkrampfte oft in Foren finden,
wo ihnen Flatulenz im Wortstreit sehr gefällt.

Sie treten patzig auf. Sie fordern Anerkennung
und werden wütend, wenn ich meine Nase rümpfe.
Man seufzt „Jetzt kommt auch der noch..!“ bei der Namensnennung,
doch tröstet der Gedanke an des Tümpels Sümpfe!


Sonntag, 12. November 2006

hebt an zu singen

„...hebt an zu singen...“
las ich irgendwo,
vielleicht bei Kramer
doch weiß ich es nicht mehr.
Ist auch nicht wichtig,
da ich immer singe,
wenn ich ein Glas getrunken,
auch wenn dies Singen nur in meinem Kopfe dröhnt,
da jene, die sich um mich drängen,
nur ihren eignen Lärm genießen
und nicht auf meine Stimme achten.

Hoch lebe Wein, hoch lebe Schnaps!
Ich denk', ich hab's:
weit ist der Himmel,
wild mein Herz!
Es atmet Freiheit meine Brust,
und mit dem Schicksal
such' ich nicht zu hadern.

Heia, Poppeia!
Ich drück' dich ins Stroh
Sausewind, Trauerkind,
Luftschlösser wollen wir bauen,
wenn die Liebe dir die Augen beringt,
und der Regen verlegen rauscht.
Verlogen funkelt ein Regenbogen,
Rosen und Wolken
sind lang schon verzogen
Lauscht nur und senkt den Kopf der Widder
und bestoßt die Splitterwand.

Pan bin ich und Herr der Herden,
Wald und Wiese, Strauch und Feld!
Schwanken etwas meine Knie?
Dreh den Kopf zu Schreckgebärden,
lass die Pulse springen, frieren,
dass sie gläsern kristallieren
und die Welt zu Schnee verfällt!

Singendes jauchzendes Herz
Jauchzender Herzgesang,
Echo verkündender Pilgergang,
Aufschlag der Augen, himmelwärts:

Hörst mich vielleicht, Du dort oben?
Sei meiner Sünde gnädig,
da ich im Rausche mich bade,
und flehe um Gnade
für die Welt,
Wehe...


1. Dezember 2006

Rückenmassage

Wenn du an Liebe denkst, vergiss das Alter,
das Reife bringt vielleicht, doch stets Verfall!
Was du für Würde hältst, ist nur ein kalter
Verzicht, ist Klagen ohne Widerhall.

Die warme Hand, gelegt auf meine Haut,
aus alten Träumen weckt sie Phantasie,
doch ehe sie Realität gebaut,
flieht Brunst, und Liebe wird zu Poesie.


Mittwoch, 29. November 2006

Grausliche Mitternacht

Hufschlag und Fluchen und der Schrei einer Magd
in der Scheune geschändet zum wirren Gelächter.
Wer jetzt noch ins Dunkle zu spähen sich wagt,
wird gnadenlos Opfer der grimmigen Schlächter,

dem die nächtlichen Schemen die Adern zerfleischen,
wenn die hungernden Rudel der heulenden Hunde
ihren Anteil am blutigen Mahle erheischen
von Hexern und Teufeln zur Mitternachtsstunde.

Behänge die Balken mit Knoblauchzöpfen.
Mit Weihwasser musst du die Türen besprengen,
wenn ums Haus tobt die Hatz der Gespenstergeschöpfe,
die mit flackernden Fackeln zum Eingang sich drängen.

Halt die Ohren dir zu , schließ fest deine Augen,
hinter den Ofen verkriech dich zum Beten.
Das Weihwasser trocknet, dein Hirnblut saugen
mit Schmatzen die Gäste, eh' sie dich zertreten.


Mittwoch, 20. Dezember 2006

Weihnachtsskizze

Wenn du aufschaust,
einen Augenblick nur unterbrichst deine Hast,
kannst du vielleicht
das Christkind sehen
oder den Weihnachtsmann,
die sich ganz schnell hinter der Türe verstecken.

Dann findest du einmal ein langes seidenes Haar,
das du auf den Weihnachtsbaum hängst,
oder auch eine struppige Borste,
die dem weißen Bart des Weihnachtsmannes
entfiel.

Selbst aber wenn du zu langsam bist
bei diesem Spiel
und nur noch den Geruch
von Zimt oder Anis
an deiner Nase vorbeiziehen spürst,
kannst du ans Fenster treten
und in die Nacht hinausblicken,
die für dich einen Lichterbaum aufgestellt hat,
ganz ohne dein Zutun.

Streck deine Hand hinaus,
aber sei vorsichtig, denn kalt weht der Wind herein.
Vielleicht fällt dir eine kleine Flocke auf den Handrücken,
dass du zurückzuckst,
sie an deine Lippen führst und sie spürst
wie den zarten Kuss der Mutter
in deiner Kindheit.


Freitag, 22. Dezember 2006

Begegnung auf der Uferstraße

Was hat er noch in unsrer Welt verloren,
der müde Alte, den wir Gott einst nannten,
wenn wir in dunklen Kirchenhallen
die Kerzen feierlich ihm angezündet?

Das helle Land seh ich vorüberziehen,
schwer liegt der Dunsthauch auf den Wassern,
und in den fernen Fenstern spiegelt sich,
vielleicht, ein Himmel.

Kaum ein Passant noch auf den Seitenwegen,
indes auf breiter Straße dicht gedrängt
folgt Auto hinter Auto,
benzingetrieben, dieselschluckend.

Selbst durchs geschloss’ne Fenster
dringt Motorenlärm, zu dem verstärkt
sich noch gesellt das dumpfe Dröhnen
aus Musik und Schlagzeugvibration.

Wenn ich dann überrascht ein schwarzes Bündel
von ferne zu erkennen meine,
das mühsam auf den Stock gestützt
sich in den frühen Abend langsam schleppt,

halte ich an und laufe zur Begegnung jener,
die mir als alte Frau,
als müder Alter,
entgegen tritt.

Ich blicke in ein zeitenloses Angesicht,
in Augen blicke ich,
die der Liderdeckel Falten
kaum verhüllt,

doch ohne zu verhalten geht vorbei an mir
mit mühsam angehobenen Schritten
der Fremde
hin zu einem Ufer

wo er den Vögeln
und den Hunden
lächelnd – doch ich seh es nicht -
Nahrung streut.


12. Jänner 2007

Klagenfurt, schneeloser Jännertag

Der weite Platz, auf dem die alte Steinskulptur
nicht mehr erschrecken will,
da selbst des Ungeheuers Dräuen
als Wasserspeier ist verstummt,
er fröstelt unterm Raureifmantel,
den ihm der frühe Morgen angelegt.

Kaum heben ihre Blicke spärliche Passanten,
die noch den Nachtdunst auf den Stirnen tragen,
wenn sie mit Vorsicht
auf dem glänzend glatten Pflaster,
auf dem ein Sturz mit Knochenbrüchen droht,
zu ihren Arbeitsstätten hasten.

Dann spielen den gewohnten Rot-grün Wechsel
ringsum die Ampeln und die Autos kreisen
vorbei an Schaufenstern, Geschäftportalen,
die noch im Weihnachtsschmucke glitzern.
Ein fettes Bettelweib sucht erste Opfer,
und Duft von Röstkastanien weckt den Tag.


Donnerstag, 11. Januar 2007

Wüstentor

Narren!
Hirne, ausgebrannt von der Rückschau,
gibt eigener Tod Euch nicht genug?
Noch wirft den Schatten
die sinkende Sonne:
wartet, er wächst
zur alles verschlingenden Nacht.

Wenn sie die Mauern sprengen,
hält ihre Wut
selbst vor der Klage nicht an,
denn der Wind wirbelt das Sandkorn
auch durch geschlossene Tore
und vom gewaltigen Tempel
bleibt nur Erinnerung und Staub.


20. Februar 2007

Heimsuchung

Es stieg
aus dem Herd der Hirten
ein Sternschrei, blutrot und böse.

Die Herden kalbten.

Nein! sagte der trunkene Dichter,
doch das qualmende Opferfeuer
versengt seinen Bart,
verhöhnt seine Reime,
zerstört und erstickt
sein Gewinsel.


20. Februar 2007

Vereinsamung

Ich werde nie mehr dir die Worte flüstern,
von denen du des Nachts geträumt
in deinem weißen Bett im weißen Zimmer,
wo ganz in Weiß, mit Apparaten klickend
die weißen Schatten glitten,
die sich wohl Schwester nannten oder Arzt ?

Und du,
den Kopf zum lichten Fleck
auf deiner Netzhaut hin gewendet
sprachst zu den Nebeln, die dich riefen,
wobei dein Mund sich zuckend kaum bewegte,
und horchtest auf die Stimmen,

durch die, zu selten nur und wie von Ferne,
eine „liebe Mutter“ sagte.
Ein Schatten neigte ganz verdunkelnd sich zu dir hin,
hob deine Hand und führte -
du spürtest Zärtlichkeit -
die mageren kalten Finger an sein Herz.

Dann schwand der Schatten
und die weißen Schemen tanzten wieder
durch den Nebel.


Samstag, 27. Januar 2007

Der Flötenspieler

Lautlos auf stygischen Feldern
erntet das Schilfrohr der Tod.
Formt die gefügigen Halme,
dass sie als Flöte ihm dienen,
wenn er mit Weisen voll Wehmut
über sein schreckliches Nahen
täuscht ihm verfallende Opfer.

Wer aber weiß das Geheimnis
trinkender nächtlicher Halme,
denen ein Wind sanft ein Rascheln
abnimmt und mit sich entführt
in der versunkenen Städte
endlose Straßen und Türme,
Trost für den trauernden Tod.


Donnerstag, 08. Februar 2007

Schönheit und Verfall

Wenn auch das Schöne
nicht bleibt,
abfällt, verdorrt
wie die Früchte
des wilden Feigenbaumes,
der seine Süße
dem sanften Wehen des Windes
zaghaft verschenkt,

so findet spät,
wenn das Alter schon
seine Gerbfinger
auf die Haut legte,
Ebenmaß noch
das liebende Auge,
und zur Liebkosung
hebt sich die Hand.


Freitag, 16. Februar 2007

Place de Clichy

Röchelnd aus der Metro aufgeriss'nen Schlünden
tauchen auf und stürzen hastig ins Gemenge
auf den Straßen, die von allen Seiten münden,
Menschenmassen, während andre durch die Gänge,
die zur U-Bahn führen, drängend sich beeilen.

Der Boulevard kann kaum den Fahrzeugbrei zerteilen.
Mit langen Armen schiebt er rote Autobusse
durch brodelndes Gewühle nach der Vorstadt hin,
zum Zentrum auch, nur weg von sich, doch bleibt zum Schlusse
es unverändert so wie es am Anbeginn.

Die breiten Scheiben der Veranden der Bistros
sie hemmen kaum den Lärm, der von der Straße dringt.
An Tischchen hocken die Touristen dos-à-dos,
man lacht und freut sich, dass man hier ist, und man trinkt,
sagt Olala! How great! und zeigt mit nacktem Finger

zur andern Straßenseite, wo die jungen Dinger
wie Bienenschwärme drängen aus dem Tor der Schule,
beäugt von einer Horde Burschen voller Gier.
Dann Hand in Hand verschwinden Heteros und Schwule
und suchen in der Pizzeria ihr Pläsier.

Bei Coca Cola, Zigaretten oder Joint
beschließt man leicht, mit wem und wo sich amüsieren.
Wer dabei übrig bleibt, vielleicht hinüberstreunt
zum Filmpalast, im dunklen Saale zu riskieren
vom Nachbarsitze her ein Tasten nach dem Schenkel.

Man schließt die Augen und vergisst des Tags Geplänkel...
Umspült von Lärm, verseuchter Luft und Schmutz bedrängt,
schweigt vornehm und gelassen eine Brasserie,
in der wie leises Wehen ein Erinnern hängt
an jene Zeit der stillen Tage in Clichy.


Montag, 19. Februar 2007

Siebenunddreißig Milliarden

Weißt du, was ein Beku ist?
Wenn du zu jener Zeit,
da in der Schule man dich plagte
mit Addi oder Division
schon Horror vor den Ziffern hattest,
dann will ich dir jetzt zugestehen,
dass du damit im Rechte warst!

Bedenk nur einmal, wenn ein Mensch,
so friedlich er auch sei,
in seinem Leibe davon etwa zehn mal Tausend trägt,
doch, weil der Doktor es verschrieb,
sich seinen Hals, beziehungsweise Thyroide,
mit Isotopen, die den Bildschirm blinzeln machen,
untersuchen lässt,
dann werden ihm sogleich
rund siebenunddreißig Milliarden an Bekus
verabreicht,
also rund das Viermillionenfache dessen,
was sonst er mit sich trägt!

Du hattest Recht mit deinem Horror,
denn…
ach ja, das Beku steht
für das Zerfallen eines Nuklids, des Atomkerns,
pro Sekunde und ist nach Becquerel benannt.

Samstag, 24. Februar 2007

Hingabe (Überarbeitung von "Verzückung")

Wie kann ich meine keusche Unschuld wahren,
verbannen Ungewissheit, Ungeduld,
die oft mich lähmt in meinen Blütenjahren
durch das Erahnen einer fremden Schuld?

Den Fluch des Blutes fühl ich in mir hämmern,
da meine Lippen jene Süße spüren,
die wie mit Schweigefingern mich ins Dämmern
verlockt, um mit Verlangen mich zu rühren.

Ich will das Sein des Unbekannten nennen,
das Flüsterworte oft mir zugeraunt;
kann ich, ob es der Böse ist, erkennen,
wenn mein Gebet verstummt und ich erstaunt

dem Zauber alter Worte mich gebeugt,
dem Einen, Angeflehten zu gehören,
der mich und alles Leben einst gezeugt?
Mich fasst ein Taumel, sucht mich zu betören.

Doch nein! Ich will mit Freiheit mich begatten,
um der Entsagung Schmerzen anzustreben,
Ihm nahe sein und niemals mehr ermatten
im Licht die Augen zu Ihm zu erheben.

Wie grün und blau die Blätter um mich blühen,
Musik erklingt, ich spür, wie ich erbebe.
Ein Rausch von Schönheit lässt mein Herz erglühen:
Ich komme! Sieh, wie ich mich hebe!

Mittwoch, 28. Februar 2007

Verzückung

Wie kann ich meine Unschuld wahren,
die Ungeduld bezähmen
und verbannen Ungewissheit?

Der Fluch des Blut hämmert hinter meinen Augen,
da meine Lippen jene Süße spüren,
die wie mit Schweigefingern jeder Windhauch
auf sie legt, verlockend,
dass sie sich verlangend öffnen.

Ich sehne mich so nach dem Unbekannten,
nach jenem, das man mir so oft
mit Flüsterworten zugeraunt -
ob es der Böse war, der mich versuchte?
– wenn ich die alten Worte formte im Gebete,
dass mich der rote Sog ergriff und taumelnd
ich dem Einen, Allgewaltigen gehören wollte,
der mich und meinesgleichen einst geschaffen.

Doch nicht als Sklavin oder Dienerin,
frei will ich die Entsagung leben.
Nicht aus dem Schatten
nein, im Licht will ich die Augen heben,
wo es wie Moschus mich umweht,
die grünen und die blauen Blätter
rings in dem sich öffnenden Erblühen
erklingen, die mein Herz für ihn erdacht,
und ich mich hebe…


28. Februar 2007

Südwind

Welch Schmachten hat der sanfte Südwind mitgebracht,
als hätte unser Mai in dieser Nacht begonnen.
Er säuselt süßlich, doch er spottet und er lacht,
weil unsre große Liebe ist zu Nichts zerronnen.

Wenn uns vertrocknet sind die Seufzer auf den Wangen,
lass uns die Augen schließen, dass der Träume Hand
vielleicht noch einmal kann nach unsren Sternen langen
in jenem fernen Himmel, den wir einst gekannt.

Dann können unsre Wünsche auf die Reise gehen.
Das große Sehnen bleibt wie immer ungestillt.
Der Südwind bläst und wird auch unser Glück verwehen.
Wir rufen Halt! Er bläst und keine Träne quillt.

Mittwoch, 28. März 2007

Donnerstag, 12. Juni 2008

a zachs rintfleisch

a zachs rintfleisch is ma liaba
oes a zoata schinkn, bei dem i ima
on dös schwein denkn muass,
dos den amol unta sein oasch
hod woxn lassn.

Beim rintfleisch oba,
do muass i mi aunstrengan
und waun i daun endlig so an brokn
launxsaum zwischn de zend zamaulmt hob,
daun denk i ma:

jez owa vazei i mia de sint,
das dös oame fiech fia mi hod steam miasn.
Den da mendsch soll eem a maunxmoe
aun s ende oln fleischös denkn,
a wemma ka brafa kiachnbeitrogzaula is.

Montag, 12. Mai 2008

Sechzehn Zeilen

Da deinen Namen meine Lippe trug,
den wundgeliebten und vermaledeiten,
stieg mein Verlangen, dich zu mir geleiten
und dich zu halten, wie den vollen Krug,

aus dem mir einmal deine Liebe floss,
und mich mit blinden Gesten so umwog,
dass sich mein Leib ergab in deinem Sog
und deine Fülle sich auf mich ergoss.

Die Erde ich, die deine Feuchte trank,
Gewitter, Sturm und Himmel du, ja du,
so jauchzten wir berauscht einander zu,
bis sich der Zauber brach, die Lust versank

und unsre Blicke sich zur Seite wandten.
Dann gingst du fort mit einem leisen Gruß,
Wohin? Ich lauschte deinem leichten Fuß,
der zögernd sich verlor im Unbekannten.

Freitag, 7. März 2008

Nasenstüber

Es macht die Nase nicht allein
den stolzen Rosenkavalier,
wenn seine Brunst er im Revier
als Wolf im Schafspelz möchte spielen.

Es ist zwar ein Atout von vielen,
wie manche meinen, eine Zier,
doch ob’s genügt, dass er bei ihr,
wo er geklopft, hört ein „Herein“?

Weil also Zeichen oft betrügen
und den Entschluss so fälschlich fördern,
muss Jungfernblut den geilen Mördern
sich opfern, nur weil Nasen lügen?


Reimreise


Mich trug in fremdes land der reim
Wo seltsam dinge sich ergaben
Amöben schmatzten urweltschleim
Aus weltgeists brüsten sich zu laben

Der feuchtmond stach der augen star
Zerriss den schmutzgen vorschauschleier
Indes der gärtopf gärte gar
Zum lustmahl der eunuchen eier

Realität und fluch des wahren
Darüber gab es kein entscheiden
Und strotzte trotzdem vor gefahren
Das nebelkleid der götter leiden

Wie schön die alte weise klang
Wie zärtlich pflegte lied und wort
Befreit von inhalt leergesang
In einem fort, in einem fort…

Strohfeuer

Wie Feuerwerke glühend seine Blicke waren,
die Maid, sie brannte lichterloh,
doch musste sie sehr bald erfahren,
nix war da Glut, es brannte Stroh,


und, wie man weiß, von kurzer Dauer
ist so ein forscher knisternd Brand.
Was Wunder, dass die Maid sehr sauer
vom Strohwischfeuer ab sich wandt',


um weiter nach dem Glück zu suchen,
wobei die Phantasie sich bald verlor,
bis irgendeiner den schon trocknen Kuchen
zum angetrauten Frühstück sich erkor.


Schmalzige Liebe, Schnitzel und Sterz


Schuster, bleib bei deinem Leisten,
Hausfrau, du bei deinem Herd,
Oder strick, so wie die meisten,
Einmal glatt und dann verkehrt.

Wenn dich Augenschwärze trübt,
Deine Stirn ist schmerzumflort,
Hast du wohl zu viel geübt,
Wie man Suppenverse schmort.

Sing von Schmerz und Abschiedskummer,
Sprich vom alten Sehnsuchtstraum,
Wieg die Kümmerärsche krummer,
Schlag des Kitsches Zuckerschaum!

Lass dich loben, lass dich preisen,
Lass den freien Nabel schwingen,
Lass dir dein Genie beweisen,
Von den andren dich besingen!

Friss und lass die anderen fressen
Sich vor Neid, weil sie verloren.
Morgen ist bereits vergessen,
Was erst heute ward erkoren …

Poeten in Schlaraffia

Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch



Am Morgen klicke ich ein Forum an
und delektiere mich an Poesie,
die hin und wieder ich mit Lob bedenke,
auch mit Kritik, so diese angemessen.



Nach einem Mittagsmahl wird zur Verdauung
erneut betrachtet der Computerschirm,
wo mich bereits die Antwort auf mein Lob
beziehungsweise die Kritik erwartet.



Ich habe meinen Ruhestand verdient,
so sage ich zu mir an manchem Tag,
und nun als Pensionist kann ich entscheiden,
womit ich meinen langen Tag verbringe,



ein Luxus, der mir lange war verwehrt,
als ich um sechs des Morgens mich erhob,
zur Arbeit ging und meist erst spät am Abend
und müde wieder ein Privatmensch wurde.



Doch jetzt bin ich im Netz und frag' mich oft,
wie machen das die jungen Forenschreiber:
den ganzen Tag und einen Teil der Nacht
so ungehindert sich der Dichtkunst widmen?



Die Lösung brachte mir wie oft die Bibel,
die von den Vögeln spricht, die Gott ernährt,
wiewohl sie nie gesät und nie geerntet.
So muss es wohl auch mit den Dichtern sein!



Du scheues Mädchen gehst noch in die Schule,
du weiser Knabe bist bereits Student,
es zahlt der Staat dir ein Stipendium,
du dichte nur, die Arbeit, die kann warten.

Wie züchtig war man anno dazumal

Er hat bestimmt es auf mich abgesehen,
auch wenn er nein sagt und es stets bestreitet.
Doch kann ich ihn jetzt nicht mehr übergehen,
so spiele ich die Unschuld, zartbesaitet.

Wie kann der Tolpatsch nur von sich behaupten,
er sei nach alter Schule Kavalier!
Er glaubt sogar, mir machten die verstaubten
und dummen Komplimente noch Plaisir.

Lässt Rosen oder andre Blumen kommen,
ich lächle, das macht mir schon nichts mehr aus.
Ist doch mein Jungfernkränzchen fortgeschwommen,
drum ließ ich gern ihn jetzt zu mir ins Haus!
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