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Freitag, 7. März 2008

Nasenstüber

Es macht die Nase nicht allein
den stolzen Rosenkavalier,
wenn seine Brunst er im Revier
als Wolf im Schafspelz möchte spielen.

Es ist zwar ein Atout von vielen,
wie manche meinen, eine Zier,
doch ob’s genügt, dass er bei ihr,
wo er geklopft, hört ein „Herein“?

Weil also Zeichen oft betrügen
und den Entschluss so fälschlich fördern,
muss Jungfernblut den geilen Mördern
sich opfern, nur weil Nasen lügen?


Reimreise


Mich trug in fremdes land der reim
Wo seltsam dinge sich ergaben
Amöben schmatzten urweltschleim
Aus weltgeists brüsten sich zu laben

Der feuchtmond stach der augen star
Zerriss den schmutzgen vorschauschleier
Indes der gärtopf gärte gar
Zum lustmahl der eunuchen eier

Realität und fluch des wahren
Darüber gab es kein entscheiden
Und strotzte trotzdem vor gefahren
Das nebelkleid der götter leiden

Wie schön die alte weise klang
Wie zärtlich pflegte lied und wort
Befreit von inhalt leergesang
In einem fort, in einem fort…

Strohfeuer

Wie Feuerwerke glühend seine Blicke waren,
die Maid, sie brannte lichterloh,
doch musste sie sehr bald erfahren,
nix war da Glut, es brannte Stroh,


und, wie man weiß, von kurzer Dauer
ist so ein forscher knisternd Brand.
Was Wunder, dass die Maid sehr sauer
vom Strohwischfeuer ab sich wandt',


um weiter nach dem Glück zu suchen,
wobei die Phantasie sich bald verlor,
bis irgendeiner den schon trocknen Kuchen
zum angetrauten Frühstück sich erkor.


Schmalzige Liebe, Schnitzel und Sterz


Schuster, bleib bei deinem Leisten,
Hausfrau, du bei deinem Herd,
Oder strick, so wie die meisten,
Einmal glatt und dann verkehrt.

Wenn dich Augenschwärze trübt,
Deine Stirn ist schmerzumflort,
Hast du wohl zu viel geübt,
Wie man Suppenverse schmort.

Sing von Schmerz und Abschiedskummer,
Sprich vom alten Sehnsuchtstraum,
Wieg die Kümmerärsche krummer,
Schlag des Kitsches Zuckerschaum!

Lass dich loben, lass dich preisen,
Lass den freien Nabel schwingen,
Lass dir dein Genie beweisen,
Von den andren dich besingen!

Friss und lass die anderen fressen
Sich vor Neid, weil sie verloren.
Morgen ist bereits vergessen,
Was erst heute ward erkoren …

Poeten in Schlaraffia

Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch



Am Morgen klicke ich ein Forum an
und delektiere mich an Poesie,
die hin und wieder ich mit Lob bedenke,
auch mit Kritik, so diese angemessen.



Nach einem Mittagsmahl wird zur Verdauung
erneut betrachtet der Computerschirm,
wo mich bereits die Antwort auf mein Lob
beziehungsweise die Kritik erwartet.



Ich habe meinen Ruhestand verdient,
so sage ich zu mir an manchem Tag,
und nun als Pensionist kann ich entscheiden,
womit ich meinen langen Tag verbringe,



ein Luxus, der mir lange war verwehrt,
als ich um sechs des Morgens mich erhob,
zur Arbeit ging und meist erst spät am Abend
und müde wieder ein Privatmensch wurde.



Doch jetzt bin ich im Netz und frag' mich oft,
wie machen das die jungen Forenschreiber:
den ganzen Tag und einen Teil der Nacht
so ungehindert sich der Dichtkunst widmen?



Die Lösung brachte mir wie oft die Bibel,
die von den Vögeln spricht, die Gott ernährt,
wiewohl sie nie gesät und nie geerntet.
So muss es wohl auch mit den Dichtern sein!



Du scheues Mädchen gehst noch in die Schule,
du weiser Knabe bist bereits Student,
es zahlt der Staat dir ein Stipendium,
du dichte nur, die Arbeit, die kann warten.

Wie züchtig war man anno dazumal

Er hat bestimmt es auf mich abgesehen,
auch wenn er nein sagt und es stets bestreitet.
Doch kann ich ihn jetzt nicht mehr übergehen,
so spiele ich die Unschuld, zartbesaitet.

Wie kann der Tolpatsch nur von sich behaupten,
er sei nach alter Schule Kavalier!
Er glaubt sogar, mir machten die verstaubten
und dummen Komplimente noch Plaisir.

Lässt Rosen oder andre Blumen kommen,
ich lächle, das macht mir schon nichts mehr aus.
Ist doch mein Jungfernkränzchen fortgeschwommen,
drum ließ ich gern ihn jetzt zu mir ins Haus!
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