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Donnerstag, 3. Juli 2008

Begegnung auf der Uferstraße

Was hat er noch in unsrer Welt verloren,
der müde Alte, den wir Gott einst nannten,
wenn wir in dunklen Kirchenhallen
die Kerzen feierlich ihm angezündet?

Das helle Land seh ich vorüberziehen,
schwer liegt der Dunsthauch auf den Wassern,
und in den fernen Fenstern spiegelt sich,
vielleicht, ein Himmel.

Kaum ein Passant noch auf den Seitenwegen,
indes auf breiter Straße dicht gedrängt
folgt Auto hinter Auto,
benzingetrieben, dieselschluckend.

Selbst durchs geschloss’ne Fenster
dringt Motorenlärm, zu dem verstärkt
sich noch gesellt das dumpfe Dröhnen
aus Musik und Schlagzeugvibration.

Wenn ich dann überrascht ein schwarzes Bündel
von ferne zu erkennen meine,
das mühsam auf den Stock gestützt
sich in den frühen Abend langsam schleppt,

halte ich an und laufe zur Begegnung jener,
die mir als alte Frau,
als müder Alter,
entgegen tritt.

Ich blicke in ein zeitenloses Angesicht,
in Augen blicke ich,
die der Liderdeckel Falten
kaum verhüllt,

doch ohne zu verhalten geht vorbei an mir
mit mühsam angehobenen Schritten
der Fremde
hin zu einem Ufer

wo er den Vögeln
und den Hunden
lächelnd – doch ich seh es nicht -
Nahrung streut.


12. Jänner 2007

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